Pflanzen richtig düngen

Larissa Köberlein | Lesedauer: 7 Minuten | 06.09.2022

Ein fruchtbarer Boden bildet die Grundlage für eine reiche Ernte im Garten. Doch wann gilt der Boden als fruchtbar? Wie gelingt die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit? Welche Arten der Düngung gibt es und worauf kommt es an? Wir haben die Antworten für Sie!

Pflanzen düngen

Wann ist ein Boden fruchtbar?

Der Gartenboden gilt als fruchtbar, wenn er einen hohen Anteil organischer Substanzen enthält. Diese entstehen bei der Verrottung und Zersetzung von pflanzlichem Material oder durch Fäkalien von Pflanzenfressern, die in den Boden gelangen. Fruchtbarer Boden bietet die Nährstoffe, die Pflanzen zum Wachsen benötigen.

Mineralien, die wichtigsten Pflanzennährstoffe

Neben einem hohen Anteil an organischen Substanzen müssen im Gartenboden Mineralien enthalten sein. Diese werden je nach ihrer Bedeutung für die Pflanzen in Makro-, Meso- und Mikroelemente unterteilt:

Makroelemente

Die Makroelemente sind die Mineralstoffe, die für das Leben einer Pflanze essenziell sind. Wenn sie fehlen, sterben die Pflanzen.
In jedem anorganischen Düngemittel sind enthalten:

  • Stickstoff

  • Phosphor

  • Kalium

Mesoelemente

Neben den entscheidenden Makroelementen sind weitere Mineralstoffe, die sogenannten Mesoelemente, für eine optimale Entwicklung der Pflanzen unverzichtbar:

  • Kalzium

  • Magnesium

  • Schwefel

Mikroelemente

In kleinen Mengen erfüllen auch die Mikroelemente wichtige Aufgaben im Garten.

  • Kupfer

  • Zink

  • Molybdän

  • Mangan

  • Bor

  • Eisen

  • Chlor

  • Kobalt

Organisch oder anorganisch - wie düngt man besser?

Die Auswahl an Düngemitteln ist riesig, doch wo liegen die Unterschiede und welches Düngemittel eignet sich für welche Pflanze?

Pflanzen düngen

Anorganische Düngemittel

Anorganische Düngemittel sind unter der Bezeichnung "Mineraldünger" im Handel erhältlich. Sie enthalten Stickstoff, Phosphor und Kalium. Sie sind nicht ohne Gefahr für die Umwelt. Ihr Vorteil ist die schnelle Verfügbarkeit für die Pflanzen und die Chance, durch gezielte Düngung fehlende Mineralien im Boden auszugleichen.

NPK und noch mehr Abkürzungen

Auf den Düngemittel-Verpackungen steht die Abkürzung N-P-K für die chemischen Symbole der Hauptbestandteile.

  • Stickstoff: N

  • Phosphor: P

  • Kalium: K

Gelegentlich sind in einer Klammer weitere Elemente angegeben, zum Beispiel Magnesium (Mg) oder Kalzium (Ca). Das sieht dann so aus N-P-K (+Mg, +Ca).

Zusätzlich finden Sie eine Zahlenangabe, die die prozentualen Anteile der Nährstoffe darstellt. Das Kürzel "6-3-2" bedeutet beispielsweise, dass in dem Düngemittel sechs Prozent Stickstoffverbindungen, drei Prozent Phosphorverbindungen und zwei Prozent Kaliumverbindungen enthalten sind. Die chemischen Elemente sind natürlich nicht in ihrer reinen, elementaren Form vorhanden.

Stickstoff, die Nummer eins unter den Nährstoffen

An erster Stelle steht Stickstoff. Er ist in allen Pflanzenteilen enthalten. Stickstoff ist wichtig für die Photosynthese. Er ist beteiligt an der Bildung von Chlorophyll und hat somit einen direkten Einfluss auf den Stoffwechsel und das Wachstum einer Pflanze. Beachten Sie, dass Stickstoff extrem flüchtig ist. Wir empfehlen daher, das Element in kleinen Mengen zuzufügen und die Stickstoffdüngung über die gesamte Vegetationsperiode zu verteilen. Passen Sie die Stickstoffgaben immer an die Vegetationsphasen an. Das bedeutet:

  • kräftige Stickstoffdüngung zu Beginn der Vegetationsperiode

  • minimale oder keine Stickstoffdüngung vier Wochen vor Erntebeginn

  • keine Stickstoffgaben beim Abklingen des Pflanzenwachstums

Phosphor bringt die Energie

Phosphor ist nur in geringem Maß im Boden verfügbar. Das Element hat eine wichtige Bedeutung für den Energiestoffwechsel der Pflanzen. Es ist beteiligt an der Bildung der Zellen und der Produktion von Fetten und Kohlenhydraten. Eine angepasste Phosphorversorgung unterstützt die Bewurzelung der Pflanzen.

Kalium sorgt für eine gute Widerstandsfähigkeit

Kalium ist nicht direkt am Aufbau neuer Zellstrukturen beteiligt. Es hilft, Wasser in die Zellen einzulagern und die Wasserversorgung der Pflanzen zu optimieren. Kalium hat einen direkten Einfluss auf die Widerstandsfähigkeit der Pflanze gegen Krankheiten, Schädlinge und Kälte.

Zu viel, zu wenig oder genau richtig?

Nicht nur der Mangel an Nährstoffen hat negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Zier- und Nutzpflanzen. Häufig wird gerade der Überschuss zum Problem. Wir haben die Kennzeichen für Sie zusammengestellt:

Stickstoffmangel:

  • schlappe, blasse Blätter

  • geringes Wachstum

Stickstoffüberschuss:

  • zu schnelles Wachstum

  • Nachlassen der Stabilität

  • Abnahme der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen

Eine optimale Stickstoffversorgung zeigt sich an strahlenden Blüten, prallen Früchten und einem guten Wachstum.

Phosphormangel:

  • geringe Blüten- und Fruchtbildung

Phosphorüberschuss:

  • Wachstumsstörungen, Kümmerwuchs

Prachtvolle Blüten und perfekt reifende Früchte sind ein Zeichen für eine ausgeglichene Versorgung mit Phosphaten.

Kaliummangel:

  • geringes Wachstum, Blätter sehen welk aus

Kaliumüberschuss:

  • Wachstumsstörungen, Verfärbungen der Blätter, Wurzelschäden

Pflanzen, die ausreichend mit Kalium versorgt sind, wachsen gut und haben eine gesunde Erscheinung.

Organische Düngemittel

Organische Düngemittel werden aus tierischen oder pflanzlichen Abfallprodukten hergestellt. Sie punkten mit ihrer Verträglichkeit für die Umwelt. Organische Düngemittel benötigen je nach Beschaffenheit eine längere Zeit, um sich zu zersetzen und für die Pflanzen zur Verfügung zu stehen. Je gröber das Material ist, umso länger dauert der Zersetzungsprozess.

Pflanzen düngen

Pferdemist

Die Hinterlassenschaften von Pferden geben einen ausgezeichneten Dünger ab. Die Zugabe von Mist erhöht die Wasserhaltefähigkeit des Bodens. Auch Rosen lieben Pferdemist! Ihrem Duft kann das Abfallprodukt nichts anhaben. Sie können Pferdemist im nächsten Gestüt erwerben. So mancher Pferdehalter freut sich über Ihre Anfrage und den kleinen Nebenverdienst. Wer es bequemer mag, wählt getrocknete und weniger geruchsintensive Pellets aus dem Fachhandel. Ebenso in Pelletform erhältlich sind Rindermist oder Hühnerdung, die hervorragende Düngemittel abgeben.

Hinweis:

Bringen Sie Pferde-, Rinder- oder Hühnermist niemals direkt auf das Beet. Kompostieren Sie die Materialien zunächst für einige Monate. Die Wirkung des frischen Mists wäre so stark, dass die Wurzeln empfindlicher Pflanzen Schaden nehmen könnten. Obstbäume und Sträucher können im Herbst eine geringe Menge frischen Pferdemist vertragen.

Hornspäne 

Hornspäne sind stickstoffreich und gleichzeitig ein hundertprozentiger Naturstoff. Sie erhalten Hornspäne in verschiedenen Darreichungsformen im Baumarkt oder im Gartenfachhandel. Gemahlen als Horngries oder Hornmehl ist das Düngemittel schnell von den Pflanzen auf Ihrem Beet verwertbar. Obstbäume, Gemüse, aber auch Zierpflanzen profitieren von einer Portion Hornmehl im Jahr.

Kompost

Ein Komposthaufen sollte in keinem Garten fehlen. Ohne viel Zutun wird aus Abfällen wertvolle humusreiche Erde. Die Kompostierung erfordert die Unterstützung durch verschiedene Bodenlebewesen und dauert mehrere Monate. Das Ausbringen der frisch gesiebten Komposterde erfolgt am besten im Frühjahr zum Start der Gartensaison, bevor die neuen Beete angelegt werden. Gerade Starkzehrer wie Tomaten, Kartoffeln und Kohl profitieren von regelmäßigen Kompostgaben.

Hinweis:

Komposterde sollte immer gut in den Boden eingearbeitet werden. Andernfalls siedelt sich ganz schnell Unkraut an.

Gründüngung, die clevere Alternative

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie die Nährstoffversorgung der Pflanzen in der Natur funktioniert? Schauen Sie sich den Wald an. Obwohl niemand düngt, gilt der Waldboden als besonders nährstoffreich. Der Boden ist dauerhaft mit Laub bedeckt und mit Gras, Moosen und Farnen bewachsen. Die Bodenbedeckung bildet die Grundlage der Gründüngung. Gründüngung ist genau genommen keine Düngung, sondern eine Maßnahme zur Bodenverbesserung. Vor allem in der ökologischen Landwirtschaft, in der mineralische Dünger keinen Platz haben, gewinnt sie immer mehr an Aufmerksamkeit.

Anleitung Gründüngung:

Zunächst muss das Unkraut auf der vorgesehenen Fläche gründlich gejätet werden. Dann wird Gründüngungs-Saatgut aufgebracht und die Fläche kann gewässert werden. Geeignete Sorten sind:

  • Lupinen

  • Phacelia

  • Ölrettich

  • Sonnenblumen

Nach wenigen Tagen gehen die Samen auf. Bevor das Beet bestellt werden soll, wird es gemäht. Stabile, holzige Pflanzen werden zerkleinert. Das Mähgut wird auf dem Beet belassen. Die Pflanzenteile verwelken und beginnen, sich zu zersetzen. Dann können Sie das Beet lockern, die Pflanzenreste untergraben und die Fläche wie gewünscht bestellen.

Hinweis:

Gründüngung ist die umweltschonendste und nachhaltigste Methode der Nährstoffzufuhr im Garten. Ganz nebenbei entsteht ein zauberhaftes Blütenmeer. Bienen und andere blütenbesuchende Insekten werden Ihnen diesen Beitrag zum Erhalt der Natur mit aktiver Bestäubung Ihrer Nutzpflanzen danken!

Unser Tipp: Brennnessel-Jauche

Brennnessel-Jauche ist ein wunderbarer pflanzlicher Stickstoffdünger. Wenn Sie keinen Kompost besitzen, ist die Flüssigkeit die perfekte Alternative.

Anleitung Brennnessel-Jauche:

Geben Sie ein Kilogramm zerkleinerte Brennnesselblätter und -stiele in ein großes Gefäß. Füllen Sie zehn Liter Wasser auf. Decken Sie das Gefäß ab. Rühren Sie die Mischung hin und wieder um. In acht bis zehn Tagen entwickelt sich eine stinkende Brühe. Verwenden Sie diese im Verhältnis 1 zu 10 mit Wasser verdünnt als Nährstoffzugabe auf den Gemüsebeeten. Wir empfehlen, Brennnesselbrühe alle zwei Wochen auf den Gemüsebeeten zu verteilen.

Kaffeesatz als Düngemittel?

Das braune Pulver ist viel zu schade für den Müll. Kaffeesatz enthält Stickstoff, Kalium und noch mehr wertvolle Pflanzennährstoffe. Zier- und Nutzpflanzen freuen sich darüber. Besonders geeignet ist Kaffeesatz für

  • Geranien

  • Heidelbeeren

  • Gurken

Muss man Obstbäume düngen?

Nicht nur Gemüse und Blütenpflanzen müssen gedüngt werden. Auch Obstbäume können eine zusätzliche Dosis Nährstoffe hin und wieder gut vertragen. Wenn der Austrieb nachlässt und die Ernte geringer ausfällt, kann Nährstoffmangel eine Ursache sein. Geben Sie während der Vegetationsperiode etwas Kompost rund um den Stamm. Die Nährstoffe werden langsam von den Wurzeln aufgenommen.

Sind Spezialdünger erforderlich?

Wenn Sie in den Gartenmarkt gehen, werden Sie von der breiten Palette verschiedener Spezialdünger überwältigt. Düngemittel für Rosen, für den Rasen, für prachtvolle Balkon- und Zimmerpflanzen und alle vorstellbaren Gemüsesorten stehen in den Regalen bereit. Ist das wirklich erforderlich? Prüfen Sie die Inhaltsstoffe. Erkennen Sie, ob es sich eher um stickstoff-, kalium- oder

Wenn Sie in den Gartenmarkt gehen, werden Sie von der breiten Palette verschiedener Spezialdünger überwältigt. Düngemittel für Rosen, für den Rasen, für prachtvolle Balkon- und Zimmerpflanzen und alle vorstellbaren Gemüsesorten stehen in den Regalen bereit. Ist das wirklich erforderlich? Prüfen Sie die Inhaltsstoffe. Erkennen Sie, ob es sich eher um stickstoff-, kalium- oder  phosphatbetonte Dünger handelt. Wenn Sie die Bedürfnisse Ihrer Pflanzen kennen, können Sie die Düngemittel auswählen und selbstverständlich für verschiedene Pflanzen verwenden.

Fazit

Wussten Sie schon, dass pro Kopf in jedem Jahr ein Zentner Stickstoff in die Umwelt gelangt? Das ist zu viel! Einen großen Anteil daran haben die kommerzielle Landwirtschaft sowie der Verkehr und die Industrie. Die Nitrate gelangen über den Boden ins Grundwasser. Der Anteil unbelasteter Gewässer nimmt kontinuierlich ab. Fast ein Drittel der Bäche, Flüsse und Seen gelten heute in Deutschland als belastet.

Hobbygärtner können einen wichtigen Beitrag leisten:

  • Düngen Sie nur so viel wie nötig. Beachten Sie genau die Packungsbeilage.

  • Verzichten Sie weitestgehend auf mineralische Dünger, bevorzugen Sie organische Düngemittel.

  • Düngen Sie nur in Zeiten, in denen die Pflanzen in der Lage sind, die Nährstoffe aufzunehmen.

  • Gewinnen Sie Kompost im eigenen Garten. Kompost kostet nichts und kann optimal verwertet werden. Er enthält alle Nährstoffe, die Ihre Pflanzen benötigen.


Wer einen Garten hat, freut sich auf eine reiche Ernte und schöne Blumen. Düngemittelhersteller versprechen den schnellen Erfolg. Vertrauen Sie den bunten Bildern auf den Düngemitteln niemals blind. Beim Düngen ist weniger meist mehr. Entdecken Sie die Chance, auf einem Komposthaufen im Garten Abfall in nährstoffreiche Erde zu verwandeln. Das ist wie Stroh zu Gold spinnen!

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